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Tag der offenen Tür im “Roten Krankenhaus” in Demmin
1.9.2009 von admin.
Am Samstag den 5.9.2009 von 10.00 Uhr bis 10.00 Uhr findet im “Roten Krankenhaus” der Tag der offenen Tür statt. Auch die Suchtberatung Demmin wird mit einem Stand vertreten sein. Wir werden über unser Angebot und auch über die Abhängigkeitserkrankung im allgemeinen Informieren. Nähere Informationen zum Tag der offenen Tür finden auf dieser Seite.
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Glück und Zufriedenheit: Probleme die jeden Treffen können!
1.9.2009 von admin.
Zusammengesunken und traurig sitzt die 42 jährige Patientin im Stuhl meines Beratungszimmers. Sichtbar schwer fällt es ihr, ihre Geschichte zu erzählen. Seit 22 Jahren sei sie verheiratet, habe sich mit ihrem Mann ein Haus gebaut. Zwei Söhne habe sie zur Welt gebracht, welche jetzt aus dem Haus seien. Der eine leiste seinen Zivildienst ab und komme nur am Wochenende nach Hause, der andere habe eine Anstellung als Koch in einer Großstadt (in den alten Bundesländern) bekommen. Sie selber sei Arzthelferin, ihr Mann Ingenieur. Dieser habe immer viel gearbeitet, sie habe neben ihrer Arbeit immer noch den Haushalt und die Kinder versorgt. Nach außen eine heile Familie mit geregeltem Einkommen und regelmäßigem Jahresurlaub. Trotzdem sei sie unglücklich. Sie erzählt, ihr Mann und sie hätten zwar Freunde, diese würden sie aber nur unregelmäßig am Wochenende sehen. Er käme Abends immer spät nach Hause, da er nach der Arbeit einem befreundeten Bauer auf dem Hof helfe. Sie sei deshalb Abends immer alleine. Sie habe es sich immer mit einer Flasche Wein gemütlich gemacht, um zu entspannen. Dies habe sich aber nach und nach gesteigert. Zuerst auf zwei Flaschen am Abend. Später habe sie auch schon Morgens einen Schluck getrunken, “um die Nerven zu beruhigen”. Jetzt sei sie inzwischen bei einer Flasche Schnaps am Tag und sei deswegen schon zehn Monate krank geschrieben. Zum Ende des Jahres werde sie dann die Arbeitsstelle verlieren.
Was war passiert? Alles war Gut und einen Grund zum Trinken konnte man als Außenstehender nicht finden. Die Dame hat doch alles! Warum trinkt sie wenn sie traurig ist, wir sind doch alle mal traurig? Und Stress mit dem Partner gibt es ja nun immer mal wieder!
Die Patientin bekam von uns die Diagnose “Abhängigkeitserkrankung durch Alkohol”.Sie selber brauchte eine ganze Zeit, um mit dieser Diagnose leben zu können und kann es immer noch nicht ganz. Immer wieder fängt sie an zu trinken. Immer wieder kommt der Gedanke: “Vielleicht kannst Du ja doch wieder…!”, oder “…ein Schluck wird doch nicht schaden!” Leider schadet er dann doch und aus dem einen Schluck wird wieder eine Woche “durchtrinken” mit anschließender Entgiftung im Krankenhaus und wieder einem größeren Schaden am Selbstwert.
Leider ist diese Erkrankung schleichend. Wir sehen in der Praxis immer wieder Menschen mit einem Alkoholproblem, welche “klein” angefangen haben und nun unüberwindbar groß erscheint. Da wo früher nach zwei Flaschen Bier Schluss war, kann der Betroffene erst wieder aufhören, wenn entweder die Kiste lehr oder er bis zum umkippen voll ist. Kontrollverlust und Toleranzentwicklung nennen die Fachleute diese Phänomene. Als Folge entstehen soziale Probleme, Verlust des Arbeitsplatzes, Trennung vom Ehepartner und/oder Familie. Es wird keinem Hobby oder Sport mehr nachgegangen und der Körper fängt irgendwann an zu rebellieren und wird krank.
Dies sind alles Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung. Keine Mengen oder Häufigkeiten werden benötigt, um diese Diagnose zu stellen. Wenn jemand regelmäßig ein Bier am Abend trinkt, ist diese Person deshalb noch lange nicht abhängig.
Diese Krankheit zieht sich durch alle gesellschaftlichen und sozialen Schichten. Sie hat keinen Respekt vor Arbeitsplatz, Geld oder sozialem Status. Alkoholiker ist nicht nur “der Penner auf der Parkbank, der tagsüber vor der Kaufhalle steht” . Viele halten Alkoholiker für Sozialschmarotzer. “Die sollen doch nur einfach auf-hören mit dem Saufen!” bekommen die Betroffen von Freunden und Familie zu hören. Aber genau das können diese Menschen nicht, einfach aufhören. Und durch diese Aufforderung macht man es diesen Menschen nur noch schwerer. Sie fühlen sich Willens- und Charakterschwach. Die Erkrankung ordnet jedoch den Verstand dem Verlangen unter oder: “Wenn der Suchtdruck kommt, ist an Verstand nicht mehr zu denken!” Kein Wille der Welt kann, wenn “der Druck” zu stark geworden ist, einen Alkoholkranken davon abhalten, zu trinken. Diese Menschen können nur lernen, zu erkennen, wann der Druck kommt und versuchen gegenzusteuern, damit dieser nicht zu stark wird. Dafür brauchen sie aber Hilfe, von der Familie und von Freunden. Diese Hilfe sollte jedoch nicht aus Vorwürfen bestehen. Solange der Betroffene noch nicht getrunken hat, kann man zum Beispiel helfen ihn davon abzulenken. Mit ihm gemeinsam reden und zuhören was er fühlt, ist ebenfalls eine gute Möglichkeit.
Falls es doch dazu kommt, dass der Betroffene trinkt, sollten Angehörige das nicht als gegen sich gerichtet bewerten. Einem Diabetiker macht man auch keinen Vorwurf, dass sein Blutzuckerspiegel mal außer Kontrolle geraten ist.
Alkohol hat in unserer Gesellschaft einen festen Platz. Es ist nicht sinnvoll, den Alkohol zu verteufeln. Ein umsichtiger Umgang ist aber unerlässlich. Jeden kann es treffen. Jeder, der einmal die angenehm berauschende Wirkung von Alkohol gespürt hat, kann früher oder später an einer Abhängigkeit erkranken. Der Wunsch nach Glück und Zufriedenheit kann zur Falle werden, wenn man versucht dies durch Alkoholkonsum zu erreichen.
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Was versteht man offiziell unter einer Alkoholabhängigkeit?
1.9.2009 von admin.
Um eine Alkoholabhängigkeit offiziell diagnostizieren zu können (um z.B. eine Rehabilitationsmaßnahme zu beantragen), müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Diese Kriterien sind von der Weltgesundheitsorganisation (WHO – Word Health Organisation)
genauestens vorgegeben. Dies sind sechs Kriterien, von denen drei innerhalb eines aufgetreten sein müssen.
- Unwiderstehliches Verlangen (Craving, Suchtdruck) – ist mehr als der bloße Appetit nach dem Suchtmittel (z.B. Alkohol). Das Verlangen geht über den Appetit hinaus und kann das gesamte Denken des Betroffenen einnehmen. Hinzu kommen auch Emotionen wie Nervosität oder Aggressivität. Die Aufmerksamkeit des Betroffenen sinkt ebenfalls.
- verminderte Kontrollfähigkeit – eine verminderte Kontrollfähigkeit erkennt man häufig daran, dass der Betroffene nicht mehr beeinflussen kann, wann er wieder aufhört zu trinken. Beim Alkohol nimmt er sich z.B. vor, nur zwei Flaschen Bier trinken zu wollen und dann ist die Kiste am nächsten Morgen doch wieder leer.
- Vernachlässigung anderer Interessen – aufgrund des Konsums kommt es dazu, dass Interessen wie Hobby, Sport, Treffen mit Bekannten oder Freunden vernachlässigt oder ganz aufgegeben werden. Häufig wechseln die Betroffenen das soziale Umfeld, da sie in einem anderen Umfeld z.B. mehr trinken könne, ohne dass sie sich dafür verteidigen müssen. Auch kommt es vor, dass z.B. dem Sport nicht mehr nachgegangen wird, da man sich lieber mit den Bekannten trifft um zu trinken.
- Toleranzentwicklung – Eine Toleranzentwicklung ist eigentlich nichts anderes, als dass man seinen Körper trainiert mehr zu vertragen. Dieses Phänomen ist prinzipiell jedem Bekannt, der z.B. einigermaßen regelmäßig Alkohol trinkt. Man verträgt mit der Zeit einfach mehr. Bei einem Abhängigen ist es aber so, dass diese massiv mehr vertragen und ihren Konsum auch anfangen zu unterschätzen (es wurden schon Personen getestet mit über 5-‰ Blutalkoholkonzentration). Aus diesem Grund müssen Autofahrer die mit einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von mehr als 1,59 ‰ auch an der Medizinisch Psychologisch Untersuchung (MPU oder “Idiotentest”) teilnehmen, um ihre Fahrtüchtigkeit nachzuweisen. Man geht nämlich davon aus, dass eine Person, welche sich mit der BAK noch als Fahrtüchtig einschätzt, schon so eine Toleranz entwickelt haben muss, dass eine Abhängigkeitserkrankung nicht mehr auszuschließen ist.
- Entzugssymptomatik – unter Entzugssymptomatik werden Symptome verstanden, welche auftreten, wenn das Suchtmittel abgesetzt wird. Diese können bei verschiedenen Suchtmitteln verschieden ausfallen, äußern sich jedoch häufig mit Schwitzen, Zittern, Übelkeit, Erbrechen. Es kommt zu einer Entzugssymptomatik durch eine Verschiebung des chemischen Gleichgewichtes im Gehirn durch den andauernden Konsum. Der Körper gewöhnt sich an die Anwesenheit des Suchtmittels. Wenn dieses nun abgesetzt wird, “fehlt” dem Körper etwas um sein chemisches Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Diese “Fehlen” äußert sich in der Entzugssymptomatik. Der Entzug kann sehr schwer werden und kann sogar tödlich enden. Aus diesem Grund sollte ein Entzug niemals alleine sondern immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen!
fortgesetzter Konsum trotz schädlicher Folgen – Bei jeder Abhängigkeitserkrankung kommt es irgendwann zu negativen Folgen. Diese können körperlicher aber auch sozialer Natur sein. Auf der einen Seite geht der Körper kaputt durch das Suchtmittel, auf der Anderen Seite verlieren viele Betroffene ihre Arbeit, ihren Freundeskreis oder ihre Familien. Wenn diese negativen Folgen auftreten und der Betroffen immer noch weiter konsumiert, ist eine Abhängigkeitserkrankung wahrscheinlich.
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